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Filmproduktion in Zeiten von Corona

Wer gerade in der Organisation von Dreharbeiten steckt, wird sich fragen:

„Was muss ich bezüglich Covid-19 eigentlich beachten und wer trägt die Verantwortung für die Umsetzung der Schutzvorgaben?“

Über das Thema haben wir bei unserer letzten Filmproduktion einiges gelernt und teilen das gerne mit allen Interessierten.
Wir standen vor der Herausforderung, gemeinsam mit unserem Kunden, einen Werbefilm zu realisieren, dessen Hauptmotiv ein Klassenraum ist.
Bedeutet in diesem Fall: Wir brauchten ein Konzept für einen Drehtag, an dem etwa 20 Kompars*innen, plus ein 10 köpfiges Filmteam zusammen kommen können.
Ziel war es natürlich, eine Ansteckung mit Corona zu verhindern, aber auch eine rechtlich möglichst gute Absicherung für den Fall der Fälle zu haben.

Hier erfahrt ihr:

  1. Wer ist verantwortlich für die Einhaltung der Corona Schutzvorgaben am Set?
  2. Was ist der Stand der Dinge?/ Wie informiert man sich?
  3. So hat’s funktioniert: Werbefilm Dreh in einem Klassenzimmer
  4. Fazit

Wer ist verantwortlich für die Einhaltung der Corona Schutzvorgaben am Set?

Ist es der Kunde, der das Projekt in Auftrag gibt? Der*Die ausführende Produzent*in? Sind es die Behörden, die darüber entscheiden, was gemacht werden darf und was nicht? Oder liegt die Verantwortung bei jedem*jeder Einzelnen?
Die BG ETEM (Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse) hat basierend auf den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards vom 16. April des BMAS (Bundesministeriums für Arbeit und Soziales) eine für die Filmbranche spezifische Handlungshilfe veröffentlicht und laut dieser liegt die Verantwortung beim Produktionsteam. (Das Dokument wurde am 24.07.20 aktualisiert)
Unser Auftraggeber war die Firma LD DIDACTIC, Hersteller von Lehrmitteln für Naturwissenschaften und Technik.
Wir haben die Filmproduktion arbeitsteilig mit unserem Kunden organisiert. Von daher war es wichtig, im Vorfeld zu klären, wer sich um was in der Planung kümmert:
In diesem Fall hat unser Kunde die Hauptarbeit in Sachen Konzeption und Umsetzung der Corona Maßnahmen übernommen. Dazu gehört auch eine Dokumentation der Vorkehrungen, die als Absicherung für das Unternehmen dient.

Was ist der Stand der Dinge/ Wie informiert man sich?

Eindeutige Informationen zu finden, wie eine Filmproduktion in Zeiten von Corona praktisch umgesetzt werden kann, ist nicht ganz einfach.
Um Informationen einzuholen, haben wir bei der Stadt Köln die Corona-Hotline angerufen, wo man uns allerdings keine genauen Regelungen nennen konnte. Wir wurden zu einer Auskunft für Drehgenehmigungen weitergeleitet. Abgesehen davon, dass man sich an die Basics halten muss (Mindestabstand einhalten, Maske tragen, Handhygiene, Nachverfolgbarkeit der Kontaktpersonen etc.) gab es dort aber auch keine neuen Informationen.
Die Handlungshilfe der BG ETEM ist, wie der Namen schon sagt, eine Hilfe dazu, wie man die staatlichen Vorgaben zur Sicherheit aller an einem Filmset umsetzen kann. Diese Handlungshilfe wurde heute, am 24.07.2020 aktualisiert. Vor allem die Quarantäne Regelungen für Darsteller wurde gelockert.

Kamera, Regie und Lichtteam für den Werbefilm der LD Didactic

So hat’s funktioniert: Werbefilm Dreh in einem Klassenzimmer

In den Drehvorbereitungen hat unser Auftraggeber diesen Part übernommen und sich z.B. mit der Handlungshilfe der BG ETEM auseinandergesetzt. Sie standen im ständigen Kontakt mit dem Gesundheitsamt, um auf dem neuesten Stand zu sein, falls neue Corona Bestimmungen herausgekommen wären.
Das war nicht unbedingt zu erwarten, aber:
Man stellte sicher, dass man auf aktuellem Stand der Informationen ist und kam damit einer gewissen Sorgfaltspflicht nach.
Manchmal muss man, so wie wir auch, mit wenigen oder lückenhaften Informationen eine Lösung finden, die eine sichere Filmproduktion ermöglichen.

Organisation & Umsetzung

Hier hat unser Kunde LD DIDACTIC wirklich tolle Arbeit geleistet, um ein umfangreiches Sicherheitskonzept zu erarbeiten.
Das Klassenzimmer wurde so gewählt, dass zwischen den Kompars*innen an unterschiedlichen Tischen ein Mindestabstand von 1,50m eingehalten werden konnte. Zusätzlich wurde darauf geachtet, dass der Raum auf 2 Seiten Fenster hat, um eine gute Belüftung zu gewährleisten.
Die WC’s wurden regelmäßig desinfiziert und mehrere Desinfektionsstationen befanden sich in den Räumlichkeiten.
Zusätzliche Masken standen zur Verfügung, für den Fall, dass jemand Seine*Ihre Zuhause vergessen haben sollte.
Eine anspruchsvolle Aufgabe, die super gelöst wurde, war vor allem der Umgang mit den Kompars*innen.
Zunächst einmal wurden alle über die geltenden Corona Schutzmaßnahmen unterrichtet und von Aufsichtspersonal begleitet, um sicher zu stellen, dass diese auch eingehalten werden. Auch wurde von jedem*jeder eine Bestätigung darüber eingeholt, dass Er*Sie keinen Kontakt mit einer Covid -19 infizierten Person hatte und innerhalb der letzten 14 Tage keinerlei coronatypischen Symptome empfunden hat. Für den Fall von Symptom-Anzeichen eines*einer Kompars*in, wurden Ersatzdarsteller*innen engagiert. Außerdem wurde mit jedem*jeder Einzelnen telefonisch ein kurzes Vorgespräch geführt, um sich zu vergewissern, dass sich jeder*jede Seiner*Ihrer persönlichen Verantwortung bewusst war und die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen respektiert. Es wurde versucht, möglichst viele Komparsen*innen aus dem gleichen Haushalt zu organisieren, so dass diese auch an einem Tisch sitzen konnten. Die Ankunft und Anmeldung der Kompars*innen wurde von vornherein zeitlich gestaffelt, damit auch da der Abstand, wie geplant, eingehalten werden konnte.

Eine im Vorfeld festgelegte Sitzordnung half bei der Einhaltung der Hygienevorgaben

Es gab eine festgelegte Sitzordnung für das Set, also das Klassenzimmer, und auch für den Aufenthaltsbereich. Dadurch wurde gewährleistet, dass Laufwege mit genügend Abstand eingehalten werden konnten und Requisiten nicht versehentlich zwischen den Komparsen*innen getauscht wurden.
Der Aufenthaltsbereich wurde am Tag zuvor mit Care Paketen und eigenen Wasserflaschen für jeden*jede ausgestattet. Um auch beim Mittagessen die Corona Hygienevorschriften einzuhalten, wurde kein Buffet angeboten, sondern das Essen wurde an die Sitzplätze gebracht. Die Maskenpflicht für die Kompars*innen wurde ausschließlich vor der Kamera aufgehoben.

Fazit

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass das Filmemachen auch in Coronazeiten funktioniert.
Jedoch muss dazu ein gewisser Mehraufwand geleistet werden: Informationen einholen, die Infos die man bekommt, oder eben nicht bekommt, bewerten und entscheiden, wie man diese versteht und dann am Set umsetzt. Natürlich muss man sich dabei an die Grundregeln halten, die auch im Alltag gelten (Maske, Abstand, Handhygiene).
Vorsicht ist wichtig, aber Angst sollte die Filmproduktion nicht dominieren.
Daher ist es essenziell, alle Corona Maßnahmen im Vorfeld zu treffen, damit man sich am Set auf die Dreharbeiten konzentrieren kann.

Hier kann man sich informieren:

BG ETEM- Corona Hotline: 0221 3778 7777
(Hier wird man bei Nachfrage an die richtige Auskunft weitergeleitet)
Drehgenehmigungen Stadt Köln: 0221 221 86112
Corona-Virus Bürgertelefon Stadt Köln: 0221 22133500